Dieser Blog setzt sich mit der sogenannten Zeitenwende auseinander. Wir befinden uns in einem tiefgreifenden Umbruch, der in zwei beunruhigende Richtungen zu weisen scheint: Einerseits erleben wir eine Rückentwicklung der Errungenschaften der Aufklärung – hin zu neuen Formen des Feudalismus, nun unter der Herrschaft globaler Konzerne. Andererseits treibt uns eine radikal materialistische Weltanschauung in Science-Fiction-Szenarien, in denen Mensch-Maschine-Hybride als erstrebenswerte Zukunft des menschlichen Geistes gepriesen werden.
Die Dystopien des 20. Jahrhunderts haben uns gewarnt: Jewgenij Zamjatins Wir (1920) beschreibt einen totalitären Einheitsstaat mit vollständiger Überwachung und Entindividualisierung hinter einer grünen Mauer. Aldous Huxleys Schöne neue Welt (1932) zeigt eine konditionierte Gesellschaft, in der Menschen künstlich gezüchtet werden, um durch Unterdrückung von Gefühlen Stabilität zu gewährleisten. George Orwells 1984 (1949) porträtiert eine Welt unter Big Brother – mit Gedankenpolizei, Newspeak und permanenter Manipulation der Wahrheit.
Auch das Kino hat diese Warnungen aufgegriffen: Fritz Langs Metropolis (1927) thematisiert Klassenkonflikte in dystopischen Zukunftsmetropolen. Ridley Scotts Blade Runner (1982) und Denis Villeneuves Blade Runner 2049 (2017) erkunden Identitätskrisen in überbevölkerten Megastädten. Paul Verhoevens RoboCop (1987) karikiert den Kampf gegen Konzernmacht, während Jean-Luc Godards Alphaville (1965) eine emotionslose Technokratie porträtiert, in der ein Detektiv gegen einen Supercomputer rebelliert.
Diese Werke sollten Schaudern auslösen – doch manche scheinen in ihnen Vorbilder zu erkennen. Eine Weltanschauung, die sich auf einen radikalisierten Darwinismus beruft, in der „der Krieg der Vater aller Dinge“ und „der Zweck die Mittel heiligt“ als Naturgesetze gelten, reduziert menschliche Wärme und Barmherzigkeit zu irrelevanten Sentimentalitäten.
Dieses Blog möchte daran mitarbeiten, dass die europäische Aufklärung nicht – wie Adorno und Horkheimer warnten – in neue Formen der Barbarei umschlägt, sondern im Sinne von Kants Ewigem Frieden oder auch Marx‘ klassenloser Gesellschaft eine Vernunft kultiviert, die ohne Feindseligkeit auskommt – eine Vernunft, die dem Menschen dient, statt ihn zu unterwerfen.