Wer aus reinem Machthunger handelt, glaubt, das Gesetz des Lebens auf seiner Seite zu haben. Doch dabei übersieht er das Entscheidende: Wer sich vom Ganzen abschneidet, schneidet sich vom Glück ab. Ein Essay über Narzissmus, Hass – und warum beides dasselbe ist.

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Man muss es ihm lassen: Der Mann denkt groß. Jesus war ja auch nicht schlecht, aber er hatte keine Kampfjets im Hintergrund, keine Freiheitsstatue, keinen Weißkopfadler links und rechts – und vor allem: Er hat sich nie selbst gemalt. Dieses Bild kursiert gerade in den sozialen Medien und sagt in einem einzigen Bild mehr über seinen geistigen Urheber aus als tausend Analysen. Der Auserwählte. Der Heiler. Der Vollstrecker des göttlichen Willens. Was das mit Glück und Unglück zu tun hat – und warum genau diese Haltung das Rezept für tiefste innere Leere ist – darum geht es im folgenden Essay.

Unglücklich ist, wer hassen muss

Nämlich der machtsüchtige, egosüchtige Narzisst, der böse Mann aus der Epstein-Klasse.

Durch entfesselte Egomanie hat er sich vom Licht der Liebe abgeschnitten und fällt so logischerweise in die eiskalte Hölle der unendlichen Finsternis.

Wie kann er fähig sein zu solchen abscheulichen Handlungen, unter denen andere Menschen furchtbar leiden?

Er kann ganze Völkerschaften mit Hunger und Durst dem Verderben preisgeben.

Er sagt sich: Gott ist tot, also bin ich die oberste Instanz.

Ob ich die oberste Instanz bin, hängt von meiner Macht ab.

Und die Macht realisiert sich dadurch, dass ich mein Ego dem der anderen vorziehe.

Es geht darum, meine Ego-Bedürfnisse zu befriedigen – und nicht die der anderen.

Das ist die Natur der Existenz, die Natur des Lebens.

Fressen und gefressen werden – das ist die Grundlage allen Lebens. Also der Wille Gottes.

Alles andere ist sentimentales Geschwätz der Schwachen.

Und indem ich andere Lebewesen töte, erfülle ich Gottes Willen – die Wege des Herrn sind unergründlich, ich bin sein Vollstrecker, teilhaftig Seiner Allmacht, Seiner Gnade, ich bin der Auserwählte, das Jammern der Opfer preist Seine unvorstellbare Herrlichkeit.

Und das Verderbliche muss schon immer mit seiner Vernichtung rechnen.

Das ist das Gesetz der Natur, das Gesetz des Lebens.

Dabei hat er eben eines überhaupt nicht bedacht: dass das genau das Rezept ist, um unglücklich zu werden.

Verbindung macht glücklich, Trennung macht unglücklich.

Indem er so handelt, als sei sein Ego mit all seiner Gier nach Macht und Ruhm der Stellvertreter Gottes auf Erden, schneidet er sich ab von der Verbindung zum Ganzen.

Dabei ist der Sinn des Lebens genau der, das Ganze zu erkennen –

sich im Ganzen zu erkennen und dass das Ganze in mir sich erkennt.

Darauf sind all diese Naturgesetze gerichtet.

Es handelt sich also hier um das größte denkbare Missverständnis.

Indem er den Befehlen des Ego folgt, ersetzt er jegliche Liebesfähigkeit, zu der er imstande gewesen wäre, durch Hass – zuerst bei sich, dann bei den anderen, seinen Opfern, denen er Leid zufügt.

Somit ist er selbst der Hassende und zugleich der Gehasste.

Sonst wäre er zu all diesen Gräueln nicht imstande.

Von Hermann Hesse gibt es ein Büchlein mit dem Titel: „Wer lieben kann, ist glücklich.“ Dem entsprechend sage ich: Wer hassen muss, ist unglücklich. Und er weiß es – tief in sich – selbst.