also vor meinem inneren Auge sehe ich ein Gehirn, in dem kausale Prozesse ablaufen, die ein inneres Auge entstehen lassen, das auf Prozesse meines Gehirns blickt, die eine Welt mit meinem Gehirn darin erst erzeugen. Wo ist jetzt das Ich und wenn ja, wieviel Freiheit? Wille zur Freiheit?
Autor: Allfred (Seite 8 von 8)
Alfred Peter Herrmann, Jahrgang 1948, studierte Psychologie, Philosophie und Wissenschaftstheorie an der Universität Mannheim und leitete dort acht Jahre lang die DV-Sektion des Sonderforschungsbereichs 24 der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Nach Stationen als Systemadministrator und in der Entwicklung von Musiksoftware-war er bei Postbank Systems als Senior-Testengineer und Systemintegrator tätig. Seit 1987 arbeitet er als selbstständiger IT-Consultant und engagiert sich unter anderem ehrenamtlich für das Tibethaus Deutschland. Auf seinem Blog zeitenwende.work reflektiert er über gesellschaftliche und politische Entwicklungen.
Schwimmbäder sind für mich Orte der Genesung. Aber bevor ich am Pegnitzer Schwimmbad landete, musste ich erst durch eine Nacht voller Pannen und unerwarteter Menschlichkeit.
Heute mit stärkerem Schwindel aufgewacht als gestern. Auf dem Weg von Baden-Baden nach Berlin gestern Abend vor Nürnberg Leistungsverlust des 2,2 l Diesel. Als das Motorlämpchen angeht, runter von der Autobahn. Recht desorientiert, überschwemmt von Empfindungen der Schusseligkeit und passiven Schicksalsergebenheit stehe ich da einsam weit nach Feierabend auf einem riesigen Firmenparkplatz vor einer riesigen Halle ohne Firmenschild. Internetzugang schlecht, Handy zeigt nur E. Offline die nächste Tankstelle geortet. Das E-Faltrad rausgeholt und 1 km hingesummt. Hat natürlich zu. Gegenüber taucht ein weißgekleideter Mann auf. Ich rolle hin, ob er wüsste, wo die nächste Daimler Benz Werkstatt ist, Internet wäre schlecht. Er ist gerade erst zugezogen, ich soll doch telefonieren. Zurück zum Problemauto. Im Handschuhfach findet sich tatsächlich bei den Service Unterlagen eine nationale Servicenummer. Musik. Haben Sie noch einen Moment Geduld. Musik. Haben Sie bitte noch einen Moment Geduld. Ca. 25x. Ich will gerade auflegen, da hebt jemand ab. Sympathische Frauenstimme. Ich schildere meine Lage und gebe Name, Adresse, Position, KFZ- und Fahrgestellnummer. Auch ohne Mobilitätsgarantie wird mich der nächstgelegene Daimler Mechaniker anrufen und weitere Schritte vorschlagen. Kostet halt. Ergeben und dankbar stimme ich zu. Schon bald klingelt das Handy, ich soll zur Werkstatt nach Ansbach fahren, ok, Navi meldet 25 km. Navi leitet mich auf die Autobahn. Im letzten Moment, bereits in der Auffahrt, wende ich illegal, ich traue mich nicht auf die Autobahn mit der lahmen Ente. Leicht verwirrt und schusselig schaffe ich es am Straßenrand, dem Navi die Autobahn zu verbieten. 34 km. Ich kriege die Schüssel immerhin noch auf 100.
Die Daimler Werkstatt erweist sich als Glücksgriff (die Höhe der Rechnung ist mir noch unbekannt). Es ist dunkel geworden, ein Montagabend kurz vor 22 Uhr. 3 junge Mechaniker analysieren mein Problem in einer Stimmung, die ich, ich war immerhin auch ein Leben lang Systemanalytiker, als optimal wahrnehme: nüchtern, konzentriert, mit untergründiger Lust an der eigenen Fähigkeit, dem eigenen Können und dann noch die Erfahrung. Letztere lässt den Jüngsten der 3 einen relativ unzugänglichen Schlauch in voller Länge abtasten, der an einer Unterdruckdose angeflanscht ist. Ich hab’s, sagt er. Ein Loch, durch das man den kleinen Finger stecken kann. Offenbar hatte dieser Schlauch, warum auch immer, an dieser Stelle Kontakt mit dem Turbolader. Die heißeste Außenstelle am Motor, steuere ich bei. Zustimmendes Nicken. Überhaupt wurden meine Zwischenfragen immer knapp, aber kompetent beantwortet, so, als wüssten sie, dass ich einen Honda Motorrad Motor mal (1977) inklusive Getriebe komplett zerlegt und wieder zusammengesetzt habe.
Danach bin ich noch weitergefahren, bis zum Pegnitzer Schwimmbad, wo ich die Nacht auf der Rückbank verbracht habe und am Morgen mit Schwindel, wie gestern, aufgewacht bin. Schwimmbäder sind für mich ein Ort der Genesung. Wie positiv und lustvoll die Menschen hier miteinander umgehen. Die kleinen sind wahnsinnig süß, die Mädchen unfassbar hübsch, die Jungs mimen vor ihnen Helden, Mütter und Väter (MAFIA Mothers And Fathers In Association) müssen sich erholen, und die Alten sind auch entspannt, weil sie es hinter sich haben. Wer will, kann hier sehen, dass alle Menschen vollkommen gutwillig sind, soziale Wesen, die in allen ihren Beziehungen nach lustvollen Erfahrungen suchen, kein bisschen verschlagen oder verlogen, man will einfach Spaß haben, und gönnt es auch jedem anderen.
Erst bei Interessenkonflikten hört der Spaß auf und der Stress fängt an und damit der ganze Egotrip, das Leben wird zum Kampf, wo derjenige, der zuerst den Pfad der Fairness verlässt, dadurch zu gewinnen glaubt, und hinterher fragt niemand mehr, mit welchen Mitteln man gewonnen hat, ob man gar über Leichen gegangen ist.
So sind die meisten Menschen Verlierer, aber die Kinder von Gewinnern, doch hier im Schwimmbad sind alle gleich.
Der begnadete Kunstmaler Detlef Renner von Seherr sammelt Erleuchtungen wie andere Briefmarken. Seine Weisheiten kommen meist in Reimen. Hier mein Versuch, ihm zu antworten:
Hey du luftiger Bukowski, ein Wissenender, ein Zwölfenender vor dem Herrn!
Hab Dank für deine Gedanken, die ich gelassen mit vollen Sinnen sich kräuseln lasse.
Hin zum Sinn machen! Alles andere macht keine Sinn! Zur Wahrheit, zur Freude. Wer? Der Erzeuger oder der Erzeugte? Wer zeugt den Weg? Der Zeuge zeugt. Die Eule heult. Keiner wäscht Reiner. Heulen und Zähneknirschen. Bleibt das Pirschen. Auch eine Kunst. Übung macht den Meister. Pirschend im Kleister, befreit scheißt er, und erkennt – den Weg.
Dieser Blog setzt sich mit der sogenannten Zeitenwende auseinander. Wir befinden uns in einem tiefgreifenden Umbruch, der in zwei beunruhigende Richtungen zu weisen scheint: Einerseits erleben wir eine Rückentwicklung der Errungenschaften der Aufklärung – hin zu neuen Formen des Feudalismus, nun unter der Herrschaft globaler Konzerne. Andererseits treibt uns eine radikal materialistische Weltanschauung in Science-Fiction-Szenarien, in denen Mensch-Maschine-Hybride als erstrebenswerte Zukunft des menschlichen Geistes gepriesen werden.
Die Dystopien des 20. Jahrhunderts haben uns gewarnt: Jewgenij Zamjatins Wir (1920) beschreibt einen totalitären Einheitsstaat mit vollständiger Überwachung und Entindividualisierung hinter einer grünen Mauer. Aldous Huxleys Schöne neue Welt (1932) zeigt eine konditionierte Gesellschaft, in der Menschen künstlich gezüchtet werden, um durch Unterdrückung von Gefühlen Stabilität zu gewährleisten. George Orwells 1984 (1949) porträtiert eine Welt unter Big Brother – mit Gedankenpolizei, Newspeak und permanenter Manipulation der Wahrheit.
Auch das Kino hat diese Warnungen aufgegriffen: Fritz Langs Metropolis (1927) thematisiert Klassenkonflikte in dystopischen Zukunftsmetropolen. Ridley Scotts Blade Runner (1982) und Denis Villeneuves Blade Runner 2049 (2017) erkunden Identitätskrisen in überbevölkerten Megastädten. Paul Verhoevens RoboCop (1987) karikiert den Kampf gegen Konzernmacht, während Jean-Luc Godards Alphaville (1965) eine emotionslose Technokratie porträtiert, in der ein Detektiv gegen einen Supercomputer rebelliert.
Diese Werke sollten Schaudern auslösen – doch manche scheinen in ihnen Vorbilder zu erkennen. Eine Weltanschauung, die sich auf einen radikalisierten Darwinismus beruft, in der „der Krieg der Vater aller Dinge“ und „der Zweck die Mittel heiligt“ als Naturgesetze gelten, reduziert menschliche Wärme und Barmherzigkeit zu irrelevanten Sentimentalitäten.
Dieses Blog möchte daran mitarbeiten, dass die europäische Aufklärung nicht – wie Adorno und Horkheimer warnten – in neue Formen der Barbarei umschlägt, sondern im Sinne von Kants Ewigem Frieden oder auch Marx‘ klassenloser Gesellschaft eine Vernunft kultiviert, die ohne Feindseligkeit auskommt – eine Vernunft, die dem Menschen dient, statt ihn zu unterwerfen.