Allfred Peter Herrmann

Z E I T E N E N D E

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Neulich Nachts beim Nachhauseradeln

Herbst 2021 – Deutschland diskutiert über Impfpflicht, Lockdowns spalten Familien und Freundschaften. Eine nächtliche Begegnung führt zu einer Nachricht an mögliche Gratulanten.

rief mich jemand aus dem Dunkel der Rüngsdorfer Straße, es war ein Bekannter aus Vor-Corona-Zeit, ich freute mich, ihn zu treffen, wie gehts, wie steht’s, schön, Dich zu treffen, macht’s Dir was aus, ich bin ungeimpft, bin etwas ängstlich, weil ich immer mit Autoimmunkrankheiten zu tun hatte und 2 tiefe Beinvenenthrombosen, könnte deshalb höheres Impfrisiko haben, aber als zurückgezogener Rentner ein geringes Ansteckungsrisiko, also beide Risiken ungefähr in der gleichen Größenordnung, habe das recherchiert (als alter Statistik-Crack kann ich die Statistiken des RKI, der WHO, PEI usw. Lesen), dann lieber nicht impfen.

Im Verlauf der Diskussion am Straßenrand erfuhr ich, wie schlimm es auf den Intensivstationen sei, und dass die Querdenker ein ganz übler Verein sind. Ob er denn auf https://querdenken-711.de schon mal geschaut hätte, als zivilisierter Demokrat sollte man doch auch den Angeklagten zu Wort kommen lassen? Das fehlte noch, aber er möchte nicht erfahren müssen, dass ich auf der Corona-Intensivstation – da soll er sich mal keine Sorgen machen, ich sei es gewohnt, meine Lebensrisiken selbst einzuschätzen und außerdem, an irgendetwas müsse man ja sterben, gerade sei meine Cousine nach 4 Jahren an ALS verstorben, das sei auch nicht lustig.

Er sei übrigens der Meinung, dass Ungeimpfte von der Intensivstation nicht aufgenommen werden sollten oder wenigstens die Behandlung nicht von der Allgemeinheit bezahlt bekommen. Ich starre ihn entgeistert an. Und was ist mit starken Rauchern, die mit Lungenkrebs eingeliefert werden? Oder Verkehrsunfallverursachern? Ob ihm die Unmenschlichkeit dieser Haltung aufgehe? 

Ob ich sonst noch Argumente hätte angesichts zigtausender Tote? Ich sagte, ich glaube nicht, dass er sich damit auseinandersetzen wird, aber ich werde ihm was schicken. Bald darauf trennten wir uns. Zu Hause angekommen, stolperte ich im Internet über dieses Interview. https://nuoflix.de/prof-dr-werner-bergholz-die-wissenschaft-ist-ausser-kraft-gesetzt

Diesen Prof. Dr. Werner Bergholz halte ich weder für einen Schwurbler, noch Spinner, noch Verschwörungstheoretiker, noch Aluhutträger. Er ist mutig, verantwortungsvoll, authentisch, kompetent, unbestechlich und hat Rückgrat. Denn falls dies Interview „viral geht“, könnte ihm eine Hausdurchsuchung blühen, bei der „Kinderpornos“ gefunden werden. Das ist keine Verschwörungstheorie, das kann passieren heute in Deutschland (auch das Haus dieses Weimarer Richters, der mit dem Masken-Urteil, wurde durchsucht), aber der brave Lanz & Co-Gucker oder Süddeutsche-Leser erfährt davon nichts. Nein, das ist übertrieben, das ist ja die maximale soziale Vernichtung, so gefährlich sind nur wenige, wie Julian Assange zum Beispiel.

So, genug geschwurbelt! In ein paar Tagen werde ich 73. Falls jemand mir gratulieren wollte, bitte nur dann, wenn ihr der Meinung seid, dass auch ich, im Falle einer Corona Ansteckung, als Kassenpatient ein Recht auf Behandlung habe.

Gute Gesundheit!

Euer Alfred / Rajo

Von meinem iPad gesendet

Lieber Tenzin,

Mir scheint, du neigst neuerdings zur Wissenschaftsgläubigkeit. Wissenschaft: die Religion der Postmoderne. Es gibt keine objektive, endgültige Wahrheit in der Wissenschaft. Ich hatte selber die Ehre, in den 70gern einem Vortrag von Sir Karl Popper (der Papst der Wissenschaftstheorie) zu lauschen, in dem er u.a. darlegte, dass es keine, vom Wissenschaftler unabhängige, objektive Wahrheit gibt, die man nur zu entdecken braucht, vielmehr erzeugt der Wissenschaftler durch die Art seiner Herangehensweise, die von bisherigen Theorien abgeleitet sind, Ergebnisse, die von anderen reproduziert oder falsifiziert werden können. Es gibt keine Wahrheit, sondern nur Theorien, und die müssen auch noch falsifizierbar sein, denn nicht falsifizierbare Theorien sind „Glaube“ oder Tautologien. Die Weisheit der Leerheit von inhärenter Existenz macht keine Ausnahme bei der „objektiven Wahrheit“ der Wissenschaft, der Beobachter und das Beobachtete sind von einander abhängig und treten durch den Akt des Beobachtens  gemeinsam in die Existenz.

Das Messen von CO2 unter der Maske ist eine Schnapsidee, kaum vorstellbar, dass die von einem qualifizierten Wissenschaftler kommt. Ich hörte nur von Studien, die den CO2 Gehalt im Blut messen, da gibt es mehrere recht genaue, eingeführte Verfahren. Solche Studien kannst Du sicher ohne meine Hilfe finden.

Immun gegen Propaganda

Sommer 2021: Während alle über Impfungen stritten, hielt ich auf einem Montagsspaziergang diese kleine Rede über die dahinterliegenden Propaganda-Mechanismen. Heute, bei neuen Konflikten, erweisen sich diese Gedanken als erschreckend aktuell:

Wir dürfen nicht am Mainstream verzweifeln.

Die sog. Schlafschafe sind keine. Wie die meisten Menschen, und das gilt auch für die meisten von uns, sind sie von ihrer eigenen Urteilsfähigkeit nicht besonders  überzeugt. Sie halten sich für Experten auf ihrem eigenen kleinen Gebiet, ansonsten vertrauen sie auf das Urteil fremder Experten, deren Reputation allerdings von einer Mehrheit der Experten auf dem jeweiligen Gebiet bezeugt werden muss. Nun, es reicht sogar, wenn die Mehrheit der Massenmedien etwas verkündet und die Mehrheit der Freunde und Bekannten das glaubt. In der Public Relations beziehungsweise Propagandawissenschaft ist das der wohl am häufigsten eingesetzte Masseneffekt.

Die sog. Machteliten sehen seit jeher hierin einen einfachen, wirksamen Mechanismus, auf dem sie ihr Meinungsmanagement aufsetzen. Dazu benötigt man lediglich eine weitgehende Gleichschaltung der Massenmedien. Da diese seit Jahren zunehmend nicht mehr von den Lesern, Zuhörern und Zuschauern finanziert werden, sondern von den Konzernen bzw. Kapitalsammelstellen, handelt es sich somit um eine verständliche, leicht nachvollziehbare Einflussnahme. Wer die Musik bezahlt, bestellt und bekommt sie auch. Zur Gleichschaltung gehört auch, dass nicht gleichgeschaltete alternative „Graswurzel“ Medien bekämpft werden müssen. Die Kampfmittel reichen von framing, zb „rechtsoffen“, Kontaktschuld zb „du läufst mit nazis“ über Diffamierung zb Antisemit, Kinderschänder, bis zum Verbot mit Hausdurchsuchungen und Gefangennahme mit Beschlagnahmung der gesamten Habe, Accounts und Konten. Der Journalist Julian Assange erleidet wegen der Aufdeckung von Kriegsverbrechen moderne Folter, das hat Nils Melzer berichtet, nachdem er ihn in der Funktion des Kommissars für Folter der Vereinten Nationen besucht hat, ohne dass die Kollegen der Massenmedien, die von seiner Arbeit profitiert haben, auf die Barrikaden gehen.

Im Umkehrschluss bedeutet das aber auch, dass diejenigen, die ihrem eigenen, selbständigen Urteil vertrauen und unabhängiges Quellenstudium betreiben (das geht noch, wenn auch erschwert durch technische Blockaden der Machteliten, die von Computerfreaks aber überwunden werden können), immer mehr werden, bis dieser Masseneffekt in die Gegenrichtung umschlägt. Dafür gibt es in der Geschichte viele Beispiele.

Brief an einen Unbekannten

Nach „dem All gefällt der freie Fall“ (rajo24.de) kann ich eigentlich nichts besseres mehr schreiben, ich sehe nicht, wie ich das noch toppen soll. Schriftstellern ist wie Briefe schreiben an Unbekannte, die ich mir aber vorstelle wie gelungene Ausgaben meiner selbst. Ich gehe davon aus, dass sie ähnlich sprachsozialisiert sind, überhaupt dass sie im Wesentlichen die gleichen Erfahrungen gemacht haben im Leben wie ich selbst und jetzt diskutieren wir über die angemessene Verarbeitung derselben.

Aufklärung: den Lämmern sagen, dass sie geschlachtet werden

Wie funktionieren Herrschaftssysteme? Warum protestieren die Beherrschten so selten? Eine düstere Allegorie:

Wenn der Hirte oder ein Lamm den anderen Lämmern sagt, dass sie geschlachtet werden, dass das sogar ihr Lebenszweck ist, zerfällt die Herde in zwei Teile, für die einen sind das Verschwörungstheorien, die anderen regen sich furchtbar auf, wodurch nach dem Schlachten ihr Fleisch nicht mehr gut schmeckt. Diese vorwitzigen Lämmer werden zuerst geschlachtet, bevor das Fleisch so richtig schlecht schmeckt. Falls es der Hirte war, der aufgeklärt hat, wird er entlassen. Der Herdenbesitzer hat kein Problem, einen neuen Hirten zu finden, der sein Handwerk versteht.

Herdenbesitzer: ganz recht, ohne mich gäbe es die Lämmer gar nicht. Ich bin daher quasi ihr Schöpfer, ihr Gott. Fragte man sie, ob sie, aufgeklärt über Ihre Opferrolle, lieber auf die Existenz verzichten würden, gäben sie selbstverständlich ein unmissverständliches NEIN zur Antwort. Und dass sie durch ihren Opfertod mir, dem Schöpfer, eine kaum zu toppende Gaumenfreude bereiten, gibt ihrem kurzen, aber schönen und gemütlichen Leben einen kaum zu toppenden Sinn! Sie sollten dankbar sein und sich glücklich schätzen, dass sie bis zum Tod, und insbesondere auch durch ihren Tod, ein derart sinnvolles Dasein fristen konnten.

Böse, Böser, Querdenker

Als Sohn eines schwulen Nazis, SS Manns, Leistungssportlers und Holocaust-Leugners, war ich schon als Kind in den fünfziger Jahren ein Querdenker, das hat mich gerettet, sonst wäre ich heute tot oder ein opportunistischer Chauvinist.

Bin ich ein Querdenker, wenn ich das Grundgesetz hochhalte? Was ist ein Querdenker? Wird er durch Zuschreibungen zum Querdenker? Vor Corona hatte das Wort noch einen positiven Klang, sogar im bayerischen Rundfunk gab es Querdenker (die Sendung hieß „quer“). Beim allgegenwärtigen Mobbing, wenn eine Mehrheit eine Minderheit mobbt, bin ich heute instinktiv auf der Seite der Minderheit, auf der Seite der Schwächeren, das war in jungen Jahren gerade umgekehrt, da wollte ich auf keinen Fall zu den Gemobbten gehören sondern im Strom der Mobbenden nach oben schwimmen. Ich bin heute nicht bereit, mich an einem Mobbing zum Beispiel der Impf-Verweigerer zu beteiligen. Immerhin nehmen sie ein Grundrecht wahr.

Der Ur-Reflex: Warum wir Feinde brauchen

Wir sollten niemals unterschätzen, wie tief – und beinahe unüberwindbar – dieser duale Reflex in uns eingepflanzt wurde: Feindseligkeit gegen die „Anderen“Kameradschaft mit den „Eigenen“. Millionen Jahre lang kämpften wir als Mitglieder von Horden und Sippen ums Überleben.

Den Feind zu markieren, die eigene Deutung durchzusetzen, war der Schlüssel zum Erfolg – ein Sieg, der physisch bestätigt werden musste. Erst dann sind wir „bei Gott“, und die Besiegten sind „beim Teufel“.

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