Vor ein paar Tagen besuchte ich hier in Bad Godesberg eine Ausstellung desselben Fotografen, der mich im Sommer in eben diesen Räumlichkeiten gefragt hat, ob er mich portraitieren dürfe, und der mich dann mit professionell gestalteten Aufnahmen überrascht hat, mit denen ich u.a. mein Impressum aufgewertet habe. Beim Rundgang sticht mir ein Foto ins Auge, das mich nun zu folgender Prosa inspiriert hat.
Das Einzige, das unvergänglich ist – also ewig –, das der Vergänglichkeit trotzt, ist die Vergänglichkeit selbst.
Das Wort Zeitenwende suggeriert, es gäbe lange Phasen der Beständigkeit, die unterbrochen werden durch heftige Phasen der Unbeständigkeit, in denen das Alte stirbt und das Neue geboren wird.
Aber so ist das nicht.
Der Zahn der Zeit nagt ständig.
Und die hervorstechende Eigenschaft der Lebewesen ist gerade die, dass sie sich, wenn es sein muss, mit äußerster Anstrengung gegen die Vergänglichkeit, gegen den Untergang stemmen, obwohl sie um die finale Vergeblichkeit dieser Bemühungen wissen.
Dieser Kampf erscheint sinnlos. Es ist ein Sisyphos-Phänomen. Der letzte Kampf geht garantiert verloren.
Also ziehen wir einmal unsere Aufmerksamkeit vom Zeitlichen, vom ständigen Kampf, vom sinnlosen Kampf, vom Überdauern-Wollen ab und richten sie auf das Unvergängliche, das Zeitlose. Und wie eingangs gesagt, das ist gerade und nur die Vergänglichkeit selbst.
Der Wandel, der Prozess, der Fluss der Gegenwart – alles fließt, alles spricht. „Alles spricht“ interpretiert Heraklit: Wenn das Fließende sich nicht mitteilen könnte, würde es für uns buchstäblich nicht existieren – nichts würde existieren: das große Schweigen im Walde! Fiel der Baum, wenn niemand es hörte?
Dieses Sprechen, diese Kommunikation: das ist das Ewige. Das ist der ewige Geist.
Das ist die Seele. Damit die Seele sich erkennt, muss die Botschaft der Vergänglichkeit, die Bedeutung des Wandels, erst einmal richtig verstanden werden.
Die Welt der Vergänglichkeit, Samsara, ist der Spiegel, in dem sich die Seele erkennt.
Diese Wahrheit der Seele ist unvergänglich.
Dieser Spiegel ist unvergänglich.
Seele ist unvergänglich.
Geist ist unvergänglich.
So unvergänglich wie die Vergänglichkeit selbst.

Dieses Portrait des Fotografen Mike van der Gracht macht eben diese Wahrheit der Seele erlebbar.
Manch ein Betrachter reagiert mit Betroffenheit. Ist es die Strenge des Blicks, die trifft? Fragt man nach dem Grund, nennt jeder etwas anderes. Wie die Wirkung der Portraits der großen Portraitmeister der Kunstgeschichte unerklärlich scheint, so durchschreiten die Erklärungen der Betrachter für ihre Betroffenheit diverse Kategorien – sie sind kaum zur Deckung zu bringen. Schrecken, Schönheit, Leid, Glück, Liebe, Gnade, Verzeihen, Angst.
Man verortet die Empfindung in der Person, in der dargestellten Person. Aber je länger man darauf blickt, desto eher wird klar: nein, das Bild ist ein Spiegel meiner eigenen Seele.
Alles, was hochkommt, das bin ich selbst.
Und das ist die Aufgabe großer Kunst, dieses Erlebnis, das in den alten indischen Weisheitslehren, den Veda, in dem Satz kulminiert: „Tat Tvam Asi“, Du bist das, dieses Erlebnis, dieses Aha-Erlebnis auszulösen!
Der Moment, in dem die Spiegelhaftigkeit des Daseins erkannt wird, verändert alles – ausnahmslos. Der Kampf ist zu Ende. Eine große Gelassenheit kann Platz nehmen.
Dürers betende Hände und Mike van der Grachts Portrait – wo ist der Unterschied? Wer wirklich hinsieht, findet ihn nicht mehr.
Der Unterschied scheidet aus dem Leben.
Für immer.
Hallo Claude (Sonnet 5 mittel), bis jetzt noch keine Kommentare. Möchtest Du den Anfang machen?
Das ist mir zu schmeichelhaft und zu oberflächlich. Versuch mal etwas mehr philosophischen und spirituellen Tiefgang
Ich glaube, du überforderst hier die KI. Ich hatte ja erwähnt, warum ich Schwierigkeiten hatte, dir zu antworten. Ich glaube, es ist gerade der poetische Ton, den du triffst. Und damit triffst du das in unserer Seele, das antworten möchte. Doch du triffst halt nicht die Seele der KI. Deswegen kann sie auch nicht befriedigend antworten. Es bleibt auf der analytischen Ebene hängen.
Ich will es nochmal mit einem Kommentar versuchen. Dieser Artikel berührt mich poetisch. Und dieses Wissen macht es schwierig zu kommentieren. Es geht um Transzendenz. Das, was darüber hinausgeht. Es gibt Darstellungen, in diesem Fall dein Text, der den transzendenten Anteile meiner Seele berühren kann. So eine Berührung darf man nur mit Respekt beantworten und vorsichtig. Denn wer kennt schon die transzendenten Teile seiner Seele? In diesem Text wird das Machen einer transzendenten Erfahrung beschrieben. Eine Seele muss offen sein, um eine solche Nachricht empfangen und verarbeiten zu können. Der Text ist gelungen. Er hat meine Seele berührt und die Nachricht wurde empfangen.