Z E I T E N E N D E

Kategorie: Gesellschaft & Kritik (Seite 6 von 6)

Public Relations

Man kann und sollte seine Zeit auch mal aus einer überzeitlichen oder zeitlosen Perspektive betrachten. Dann könnte auffallen, dass der Begriff der Macht, obwohl einer der zentralen Begriffe des menschlichen Zusammenlebens und der Sozialpsychologie, fast ganz aus der öffentlichen Debatte verschwunden ist.

Noch im 19. Jahrhundert war der Begriff des Willens oder des Willens zur Macht ein zentraler Bestandteil der öffentlichen Debatte. Nietzsche, aber auch Marx sprachen offen über Machtverhältnisse. Heute wird über alles Mögliche diskutiert – nur nicht über Macht.

Das verschwundene Wort

Das ist der Erfolg von 100 Jahren Propaganda, Framing beziehungsweise Public Relations. Die Mächtigen haben gelernt, ihre Macht unsichtbar zu machen, indem sie die Sprache dafür tilgen.

Die Lehrmeister

Lies: Propaganda: Die Kunst der Public Relations von Edward Bernays und Psychologie der Massen von Gustav Le Bon. Hier erfährst du etwas über das unwiderstehliche Handwerkszeug der großen PR-Agenturen. Bernays, Freuds Neffe, entwickelte die Techniken, mit denen man Menschen manipuliert, ohne dass sie es merken. Le Bon zeigte, wie Massen funktionieren.

In letzter Zeit macht Psychologieprofessor Mausfeld sehr kompetent darauf aufmerksam – und wird prompt als Verschwörungstheoretiker diffamiert. Auch das ist PR: Wer die Methoden der Macht benennt, wird diskreditiert.

So funktioniert es seit 100 Jahren. Und so funktioniert es auch heute.


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Klopapier

Gestern stand ich im DM-Markt vor leeren Klopapier-Regalen. Ich solle es morgens um neun versuchen. Da ging mir der Arsch auf Grundeis.

Ich hatte eigentlich die großen PR-Agenturen im Verdacht, die bei der Vorbereitung der Eroberungskriege des Imperiums sechsstellige Summen einstreichen. Durch eine klassische selbsterfüllende Prophezeiung – nämlich die Vorhersage, dass es kein Klopapier mehr geben wird – wären sie ihrem Auftrag, für Angst und Schrecken in der Bevölkerung zu sorgen, sehr geschickt nachgekommen.

Das war Paranoia. Jetzt weiß ich, wo das ganze Klopapier geblieben ist.

(Der ursprüngliche Facebook-Link ist leider nicht mehr verfügbar) https://www.facebook.com/100002376591089/posts/2833376090084916/


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Seuchenangst

Während alle Welt auf Viren starrt, übersieht man, wie sich Angst ausbreitet – und wer davon profitiert. Als ehemaliger Statistiker bin ich skeptisch geworden. Nicht gegenüber Corona, sondern gegenüber dem Umgang damit.

Das Datenproblem

Wer selber denkt, kann zu abweichenden Meinungen gelangen. Dr. Wodarg hat seine Meinung geäußert – das ist mir willkommen, damit ich verschiedene Standpunkte vergleichen kann. Denn die Fakten, auf denen Entscheidungen beruhen, können falsch erhoben oder interpretiert werden.

Beispielsweise ist der Corona-Test sehr unzuverlässig und gibt bei fortgeschrittener Durchseuchung nicht die Steigerung der Neuinfektionen, sondern der Testaktivität an. Bei mir hat es geklingelt, als der Präsident des RKI bei der Nennung des Sterberisikos einen Median von 43 Jahren nannte. Warum Median und nicht arithmetisches Mittel? Als Statistiker weiß ich: Das macht einen Unterschied.

Wer profitiert?

Das Vertrauen in die Wissenschaft sähe ich gerne, besonders beim Weltklimarat. Aber die Virologen haben in diesem Jahrtausend schon dreimal Alarmstufe rot ausgerufen – gottseidank Fehlalarm. Unser Gesundheitssystem ist durchaus geprägt von den Interessen der Pharmaindustrie. Als mehrfach Betroffener mache ich mir da keine Illusionen mehr.

Das Paradox der Angst

Was scheinbar keiner auf dem Schirm hat: Die stark stress- und angsterzeugenden Maßnahmen haben auf das Immunsystem den denkbar schlechtesten Einfluss. Existenzangst schwächt die Abwehr. Davon weiß ein Virologe im Gegensatz zu einem Psychoneuroimmunologen wohl wenig.

Ich glaube, dass die Krankenhäuser schon deshalb an ihre Belastungsgrenze kommen, auch ohne Corona. So gesehen wäre es ein natürlicher Versuch des Selbstschutzes der Bevölkerung, Gegenmeinungen zur dominanten Angstmache zu suchen.

In einigen Wochen wissen wir mehr.


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Hochbegabung

Antwort auf einen Telepolis-Thread: „Da spricht sicher keine Hochbegabung …“

Schon Ihr Titel kommt mir ziemlich arrogant vor; dafür müssen Sie sich für zumindest erheblich begabter halten als den armen Autor. Hochbegabte sind entweder arrogant geworden oder in Verzweiflung versunken, in jedem Fall aber einsam, denn selbst die anderen Hochbegabten, die man zufällig trifft, sind ganz anders als man selbst. Durch das Misslingen der Anpassung entsteht eine enorme Varianz. Die Explosionen eines höheren Feuerwerks liegen weiter auseinander.

Denn auch der Hochbegabte kommt ohne Weltbild, Menschenbild und Selbstbild nicht aus. Diese für sein Agieren absolut essenziellen Bilder sind mit hoher Wahrscheinlichkeit krankhaft verzerrt – in welchen sozialen Spiegel schaut er? Seine Familie hält sich und damit auch ihn bestenfalls für die absolute Elite.

Ich rate zur Bescheidenheit. Einer der hochbegabtesten Sätze ist immer noch: „Ich weiß, dass ich nichts weiß“!


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Ausbeutung

Waldspazierganggedanke. 

OK, es gibt also Ausbeuter und Ausgebeutete. In gewisser Weise ist das jeder in einer Person. Das Verrückte: Der Ausbeuter verachtet seinen Ausgebeuteten (weil er sich ausbeuten lässt), während der Ausgebeutete seinen Ausbeuter geradezu hochschätzt (weil er dadurch, dass er es schafft, ihn auszubeuten, weit über ihm steht), auch wenn er ihn hasst. So ähnlich, wie auch der Betrüger seinen Betrogenen verachtet – sonst müsste er ja fast ein schlechtes Gewissen haben. Und auch der Betrogene hat zwar Hass, aber auch Respekt gegenüber dem Betrüger; das lässt ihn den Verlust leichter verschmerzen.


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Klimakatastrophe

Ich war recht enttäuscht, als eine gute Freundin erzählte, dass das mit der Klimakatastrophe übertrieben sei

Sie habe sich ausführlich mit einem Physiker unterhalten, die Erdtemperaturen hätten immer schon heftigen Schwankungen untergelegen. Panikmache sei nicht konstruktiv.

Meine Antwort steht noch aus.

Der Mensch bläst CO₂, das in 2 Milliarden Jahren abgelagert wurde, in 200 Jahren wieder in die Luft.


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Präambel

Dieser Blog setzt sich mit der sogenannten Zeitenwende auseinander. Wir befinden uns in einem tiefgreifenden Umbruch, der in zwei beunruhigende Richtungen zu weisen scheint: Einerseits erleben wir eine Rückentwicklung der Errungenschaften der Aufklärung – hin zu neuen Formen des Feudalismus, nun unter der Herrschaft globaler Konzerne. Andererseits treibt uns eine radikal materialistische Weltanschauung in Science-Fiction-Szenarien, in denen Mensch-Maschine-Hybride als erstrebenswerte Zukunft des menschlichen Geistes gepriesen werden.

Die Dystopien des 20. Jahrhunderts haben uns gewarnt: Jewgenij Zamjatins Wir (1920) beschreibt einen totalitären Einheitsstaat mit vollständiger Überwachung und Entindividualisierung hinter einer grünen Mauer. Aldous Huxleys Schöne neue Welt (1932) zeigt eine konditionierte Gesellschaft, in der Menschen künstlich gezüchtet werden, um durch Unterdrückung von Gefühlen Stabilität zu gewährleisten. George Orwells 1984 (1949) porträtiert eine Welt unter Big Brother – mit Gedankenpolizei, Newspeak und permanenter Manipulation der Wahrheit.

Auch das Kino hat diese Warnungen aufgegriffen: Fritz Langs Metropolis (1927) thematisiert Klassenkonflikte in dystopischen Zukunftsmetropolen. Ridley Scotts Blade Runner (1982) und Denis Villeneuves Blade Runner 2049 (2017) erkunden Identitätskrisen in überbevölkerten Megastädten. Paul Verhoevens RoboCop (1987) karikiert den Kampf gegen Konzernmacht, während Jean-Luc Godards Alphaville (1965) eine emotionslose Technokratie porträtiert, in der ein Detektiv gegen einen Supercomputer rebelliert.

Diese Werke sollten Schaudern auslösen – doch manche scheinen in ihnen Vorbilder zu erkennen. Eine Weltanschauung, die sich auf einen radikalisierten Darwinismus beruft, in der „der Krieg der Vater aller Dinge“ und „der Zweck die Mittel heiligt“ als Naturgesetze gelten, reduziert menschliche Wärme und Barmherzigkeit zu irrelevanten Sentimentalitäten.

Dieses Blog möchte daran mitarbeiten, dass die europäische Aufklärung nicht – wie Adorno und Horkheimer warnten – in neue Formen der Barbarei umschlägt, sondern im Sinne von Kants Ewigem Frieden oder auch Marx‘ klassenloser Gesellschaft eine Vernunft kultiviert, die ohne Feindseligkeit auskommt – eine Vernunft, die dem Menschen dient, statt ihn zu unterwerfen.

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